Neue Begegnungen

ENTDECKEN VON SCHLUCHTEN

Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass wir das letzte Mal berichtet haben. Wo also beginnen?
Ich möchte euch mit auf die Reise nehmen, durch die letzte Woche. Beginnen wir in der Tarnschlucht, dort wo der letzte Eintrag entstand.
Der Bus steht hoch oben, am Rande der Felsen, die Steil abfallen, bis hinunter zum Fluss, der Tarn. Es wird kühl am Abend und Mäd mit dem Benzinkocher neben dem Bus sitzt, die Kochkiste nahe bei sich und bereitet das Abendessen vor. Der Geruch von frisch angebratenen Zwiebeln mischt sich mit dem Duft tausender Rosmarinpflanzen und anderer Kräuter. Der Blick über die Hochebene schweift zum Horizont. An einer Seite beginnt die Sonne den Himmel rot zu färben, während gegenüber der Vollmond aufgeht. Mit ihm und dem wunderschönen Naturschauspiel, zieht auch die Kälte herauf. Wir ziehen unsere Daunenjacken aus dem Bus hervor. Der Bus, genau. Wir wurden gefragt, wie er aussieht und wie wir darin leben... Vielleicht gibt Folgendes einen kleinen Einblick. Unser Bus ist ein L 400 Mitsubishi. Nicht groß, nicht schön, aber ein treuer Begleiter. Hochgelegen, da er Vierradantrieb hat, blaue Farbe und gelbe Vorhänge. Vorne zwei Sitze, auf welchen wir die langen Fahrten verbringen, wobei wir zumeist Hörbücher hören, zur Musik rocken oder in langen Gesprächen und mal mehr mal weniger schönen Diskussionen versinken. Der Rest des Busses besteht aus Bett. Darauf eine Decke, die Kissen und ein warmer Schlafsack. An der Decke Hängevorrichtungen für Kleider oder Handtücher. Nicht viel Platz, man kann nicht sitzen, aber es ist warm, ausreichend und gemütlich. Unter dem Bett befindet sich unsere kleine Rückbank. Sie hat keine Gurte, kaum eine Lehne und sieht eher aus, als sei sie bereits einige Jahrhunderte alt, aber sie ist bei der schweizer Prüfung abgenommen worden und macht ihren Dienst. Um sie nutzen zu können, müssen wir die eine Hälfte des Bettes über die andere schieben. Das geht, denn unsere Matratze besteht aus zwei Boulder-Crashpads. Sehr praktisch auch, um draußen trainieren zu können. Unter dieser Bettkonstruktion befindet sich unser Hab und Gut. Jeder besitzt eine Kiste mit Kleidern und eine kleine mit Material (Mäd mit Kamerasachen und Pow mit Büchern ;)). Und der Rest? Eine Kochkiste, einen Gemüsesack aus Netz auf dem Bett und ansonsten Material zum Klettern, Highlinen, Basteln, Akrobatik. Kanister mit Wasser und ein Bag mit Duschschlauch machen das Komplett, was man wirklich benötigt. Bei Regen wird unter der Plane und der Heckklappe gekocht. Dort, wo nun Mäd im Abendlicht sitzt. Wir schalten zum Essen unser Hörbuch an, es ist zu spannend, um zu widerstehen. Wir essen schweigend und genießen die Wärme. Der nebenbei gekochte Tee wartet schon. Und dann ziehen wir uns nach dem Waschen, aufräumen und Zähneputzen in den Bus zurück, wo wir die Decken wärmen und in den Schlaf fallen. Meist viel früher als im Alltag, denn mit Untergang der Sonne, endet der Tag. Das Reisen wird viel mehr bestimmt vom Ablauf der Sonnenbahn. Wochentage, Datum und Monat spielt weniger eine Rolle, aber der immer wiederkehrende Rhythmus des Tages, leitet einen. Mit der Morgensonne stehen wir auf und erkunden die Felsen. Mit warmem Tee in der Hand schauen wir über das Tal. Geier, Wind, erste Strahlen auf dem Fluss zeigen sich. Wir erfreuen uns und die ersten Kinder, welche nun auch hier oben herumklettern mit ein paar Akrobatikfiguren und genießen unser Frühstück. Meistens Brot oder die Reste des Abendessens. Etwas, was mir Zuhause wohl nie in den Sinn gekommen wäre, hier draußen aber das Beste ist. Mit der Sonne zieht es uns zum Fluss hinab. Steil fallen die Felsen ins Tal und wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. In der Nebensaison sind hier kaum Menschen unterwegs und auch wenn die Nächte auch sehr kalt sind, ist es in der Sonne wunderschön. Wir laufen am Fluss entlang und bestaunen die Gegend. Es ist ein wunderschöner Tag. Dennoch wird es für uns kein einfacher. Ich bin aus irgendwelchen Gründen von Gedanken gefangen. Dem Heute, den Lebenszielen, der Zukunft. Wohin, was will man, wonach strebt man? Neben dem "einfach Sein", welches das Reisen so intensiv macht, die Augen für all die Kleinigkeiten um einen herum öffnet, bringt es auch Zeit für Grübeleien, Fragen, Hinterfragen. Dann füreinander da zu sein, ist nicht immer leicht. Wir leben dicht auf dicht und doch hat jeder seine Tage, Launen und Bedürfnisse. Herausfordernd aber auch schön ist es, sich mit jedem Tag besser kennenzulernen und sich zu verstehen. Man spielt sich aufeinander ein und das System beginnt sich zu automatisieren. Die Aufgaben, die jeder ohne Absprache übernimmt, die Nähe und den Abstand, den wir uns geben. Heute laufe ich eine Weile für mich. Dann treffen wir wieder aufeinander und genießen ein Bad im Fluss. Wobei ich darüber stolpre, ob genießen wirklich das richtige Wort ist. Mit einem Köpfer von einem Felsen geht es direkt hinein. Das Wasser ist tief und klar. Der Fluss ist beißend kalt und so schnell es möglich ist, verlässt man das Wasser wieder. Aber er ist sauber, durchsichtig, die Steine saußen unter einem in der Strömung dahin und nachher kribbelt die Haut. Wir fühlen uns aufgeweckt und alle Zweifel sind davongespült. In der letzten Tagessonne genießen wir den Rückweg und trampen den letzten Teilt mit einem Italiener, der hier bei der Aprikosenernte geholfen hat. Es war ein gutes Jahr für die Ernte, erzählt er, aber so gut, dass die Marktpreise gesunken sind. Am Abend fahren wir also wieder los auf die Hochebene. Dort wird am Abend die Sonne länger scheinen, wenn das Tal und der Fluss bereits im Schatten liegen. Die Autofahrt tut gut, da wir uns etwas aufwärmen können. Mit unserer App finden wir im nächsten Dorf einen Trinkwasserbrunnen und halten dort an, um die Kanister zu füllen. Auf der Hochebene starten wir unser Abendprogramm und fallen mit der Dunkelheit ins Bett. Morgen wollen wir Kanu fahren. Einmal die Schlucht vom Wasser aus betrachten. In diesen Tagen bietet sich uns auf der Hochebene ein besonderes Spiel. Als wir gerade zum Aussichtspunkt laufen wollen, sehen wir wie sich Geier über den Wiesen treffen und ihre Kreise ziehen. Direkt auf der Wiese neben unseren Autos ist eine Pferdeweide mit zwei schönen Pferden. Einer der Geier lässt sich im Flug sinken und beginnt sich ihnen zu nähern. Der Flug wird direkter und er streckt den Pferden die Krallen entgegen. Die Pferde wiehern und schlagen aus. Erst sind wir erstaunt, doch dann erinnern wir uns daran, dass einer der Einheimischen erzählt hat, dass auch Kühe bereits von Geiern geholt wurden. Da sich das Spektakel wiederholt, kann Mäd seine Kamera ziehen. Wir lassen uns noch etwas in der Gegend treiben und dann erhalten wir den Ruf unserer Freunde. Juschi und Caro sind mit zwei weiteren Slacklinern in Siurana und schwärmen von einem wunderschönen Platz. Wir kommen in Entscheidungsschwierigkeiten. Langsam fahren, die Gegenden genießen oder durchfahren und dafür gemeinsame Zeit. All die Freiheit des Reisens ist nicht nur einfach, auch wenn dies wohl Luxus ist. Dann entscheidet der Wetterbericht mit. Es soll kalt werden und regnen, also sind die Pyrenäen wohl nicht der richtige Ort und die Anderen haben eine Höhle gefunden, die sehr groß sein soll. Wir ziehen los. Wir fahren die lange Strecke besonders an den Abenden, für uns spät in die Nacht, was wohl 24 Uhr bedeutet. Wie erwähnt hat sich unser Schlafrhythmus verändert. Tags trainieren wir noch am Strand und erkunden passende Feldwege, um dort unsere Dusche aufzuhängen und zu kochen. Der Duschsack baumelt über dem Weg, das Wasser ist kalt, aber es ist so wunderbar wie sonst selten nach Shampoo zu riechen. Wir sind aber auch froh, dass niemand vorbeikam... Spät in der Nacht erreichen wir Siurana und beschließen die Anderen am Morgen zu suchen. Erstmal schlafen. Wir werden von den ersten Sonnenstrahlen geweckt, die durch unsere gelben Vorhänge schimmern. Los gehts. Nicht lange und wir haben die Highlines über der Schlucht gefunden. Als wir näher kommen, entdecken wir auch die Anderen in einem Felsvorsprung, alle noch in den Schlafsäcken. Der Ort ist wunderbar und zudem verstehen wir uns als Gruppe sehr. Es ist der letzte Sonnentag und wir kosten ihn voll aus. Linen, Kletten, Handstände und ein Abendbierchen im nächsten Dorf. Es hat sich gelohnt, der Tag war wunderschön. Und dann setzt wie erwartet der Regen ein. Wir kauern in der Höhle, spielen Spiele und kochen Mengen an Tee gegen die Kälte. Die anderen haben einen kleinen Kocher, welcher mit Holz heizt, so dass er auch etwas Wärme spendet. Aber dennoch vergehen die Tage langsamer und die ersten Sonnenstrahlen nach einigen Nächten sind herbeigesehnt. Zwischendurch erkunden wir die Gegend und Mäds gutes Auge findet sogar etwas von der Kälte steife, kleine Skorpione. Die zeit war gut und die Höhle ist zum Zuhause geworden. Vielleicht kommt man ja mal wieder vorbei. Aber nun war es auch gut zu gehen.

BEGEGNUNGEN IN BARCELONA
Unser Weg führt uns nach Barcelona. Die Nacht verbringen wir auf halber Strecke. Die App "Park for a nnight" hat uns einen Platz im Nichts an einem Steingemäuer gefunden. Der Regen prasselt nur so auf das Dach und führt nicht gerade dazu, dass man am Morgen den Bus verlassen will. Also direkt unter die kalte Dusche. Nass ist eh alles. Und dann den Weg fortsetzen. In der Stadt erwartet uns ein Training in einer alten Fabrikhalle. Alles Künstler, die für sich trainieren. Gegen Ende kommt ein junger Jongleur auf uns zu und schnell wird mit Händen und Füßen sowie Mäds Spanischwörtern klar, dass auch er Akrobatik macht. Wir beginnen zu spielen. Es ist lustig und die geringen Kommunikationsmöglichkeiten stören kaum. Nach einer Weile stellen wir fest, dass er französisch spricht und nun wird alles einfacher. Wir verabreden uns auch für den nächsten Tag. Der Ort, an den wir eingeladen werden ist eine alte, besetzte Schule. Alle empfangen uns herzlich, aber es gehen auch so viele Menschen ein und aus, dass wir nicht weiter auffallen. Und wie aus dem Nichts, ergeben sich Gespräche, wir werden Teil eines Handstandtrainings und am Abend kommen noch mehr Akrobaten. Alle können etwas, haben Zirkusschulen besucht und wir fühlen uns wie Beginner. Aber auch sie freuen sich über neue Ideen und der Austausch macht Spaß. Wir treffen uns wieder. Sogar unsere Longe kommt zum Einsatz, zur Freude aller. Das Zeitgefühl und die Verabredungen entsprechen ganz dem Verurteil eines spanischen Zeitgefühls, aber die Stadt bietet genug Entdeckungen, so dass es auch uns nicht langweilig wird und das Reisen ermöglicht uns die Flexibilität uns anzupassen. Wir halten uns auch so bei der Community in der Küche auf, werden zum Bananenkuchen eingeladen und freuen uns über das eine und andere Gespräch. Besonders erleichtert, wenn es auf Englisch funktioniert. Die Abende wird Musik gemacht und es ist spannend die verschiedensten Menschen hier zu treffen. Sogar eine warme Dusche durch abgezapftes Wasser und Boiler wird uns ermöglicht. Aber es ist auch anstrengend, so viel Neues, Bewegung und immer unter Menschen. Nun gönnen wir uns also eine Pause. Ein Tag basteln am Bus, kochen und sogar Wäsche in einem Waschsalon waschen. Es tut gut. Einen Tag Dinge erledigen, für sich sein und etwas zur Ruhe kommen. Und ab morgen? Morgen kucken wir uns mal den central del cirqu an und schauen wo und wie wir weiter trainieren. Nebenher schauen wir bereits, ob wir gegebenenfalls mit Flüchtlingen ein kleines Projekt machen können. Es ist nicht ganz einfach da etwas zu finden, aber wir werden sehen was kommt...

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Kommentare: 1
  • #1

    Samy (Donnerstag, 08 November 2018 19:30)

    Guet mached ier das! Schlumpf uusfüere isch de SHIT! Min Tipp a euch: gönd in en Decathlon, Campingtuschi zum Pumpe und Duschzelt (ca. 49 und 39 €) s Duschwasser chame mim Teechessel heiss mache, s Zelt schützt vor em Wind, So chame au im Winter dusse tusche. Sovill Luxus mues sii �

    https://www.decathlon.es/ducha-solar-con-presion-8-l--id_8333161.html

    https://www.decathlon.es/cabina-cambiador-seconds-id_8300695.html

    Vill Spass eu wiitrhin!