Weiter gen Süden

Nach einigen Tagen in der Stadt, zieht es uns innerlich wieder in die Natur. Es ist schon erstaunlich, wie schnell einem das städtische Leben und der Trubel zu viel werden können, wenn man sich an die Einsamkeit gewöhnt hat. Die Zeit in Barcelona war dennoch sehr wertvoll und die Menschen, die wir dort getroffen haben, werden uns in den Gedanken sicherlich immer wieder begleiten. Es waren besondere Momente. Und für uns Reisende ein Einblick in deren Welt und Leben. Kaum haben wir die Stadt verlassen, juckt es uns beim Anblick der Strände in den Fingern. Training. Der Strand ist breit, weicher Sand und trotz des bewölkten Wetters ist es warm. Kaum am Strand angekommen, sehen wir zwei Spanier, die dort Akrobatik machen. Sie haben gerade erst damit begonnen und wir kommen ins Gespräch, geben das Wissen um einige Figuren weiter und genießen das Meer. Immernoch verstehen wir wenig Spanisch und die Unterhaltungen erfolgen mit allem, was uns an Sprachen und Gestik zur Verfügung steht. Mäd kann sich aufgrund seiner Sprachkenntnisse gut durchkämpfen, während mir immer wieder nur das Staunen darüber bleibt, was man anhand von Kontext und einzelnen Wörtern alles mitbekommt und wie weit und unauffällig man durch einen fremden Alltag kommt, ohne je präzise ein Wort zu verstehen oder gar Gesprächsverläufe genau wiedergeben zu können. Natürlich muss ich da auch mal an meine Arbeit an der Sprachheilschule denken :) Unser Schlafplatz am Abend liegt oberhalb des Meeres und wir haben einen gigantischen Blick über die ganze Ebene. Zudem erproben wir hier unsere neue Errungenschaft. Unser Duschsack hat sich weiterentwickelt. Über eine Druckpumpe kann er Wasser auch nach oben leiten und so müssen wir nicht mehr immer nach geeigneten Aufhängemöglichkeiten suchen. Ach und eine weitere Kleinigkeit, die mich aber immer wieder sehr erfreut hat: der frische Geruch der Kleider und Bettwäsche nach dem Waschsalon. Ein Luxus, der mir Zuhause nur selten auffällt :) (wobei ich es auch dort liebe, nach einer ausführlichen Dusche in ein warmes, frischbezogenes Bett zu fallen). Nach ein wenig Planungspause geht es also weiter. Planung ist nicht gerade das, was uns leichtfällt. Vielleicht wiederum ein Luxusproblem des Reisens. Alle Möglichkeiten stehen einem offen. Was also tun? Zwei Menschen, die beide an fast allen Möglichkeiten Freude finden, wie also zur Lösung kommem? Das kann durchaus anstrengend sein :) Doch wir schaffen es. Wir fahren weiter ins Inland nach Valderrobres. Dort waren wir bereits einmal und die Gegend haben wir als wunderschön im Kopf. Am Morgen wachen wir dort, auf einem einsamen Seitenweg in der Sonne, auf. Nach dem Frühstück zieht es Mäd auf den nahegelegenen Berg. Er will da nur mal eben 15 min hochlaufen, nur kurz die Aussicht dieses kleinen Hügels anschauen. Es wird ein gigantischer Tag mit einer sechsstündigen Wanderung. Aber es hat sich gelohnt. Wir finden versteinerte Muscheln und haben Freunde am Auspowern. Nach zwei Tagen in der Gegend fahren wir nochmals weiter in ein Klettergebiet. Hier kämpfen wir uns unbekannte Wände hoch und bewundern die einsamen Gegenden im Inland. Nichts ist los. Alles scheint verlassen. Riesige unbebaute Landschaftsflächen. Als wir wieder ans Meer kommen, ist Sturm angesagt. Der erste Tag scheint wie verhext. Wir trainieren am Strand und kümmern uns um Orga. Nocheinmal schreiben wir Organisationen an, die mit Flüchtlingen arbeiten, aber bisher ohne Erfolg. (Falls jemand von euch tolle Projekte auf der Route nach Portugal kennt, die sich über einen Zirkustag oder ähnliches freuen, gerne melden :)). Aber nun weiter. Wir warten innerlich auf den Sturm, aber alles scheint einfach um uns herum stattzufinden und wir haben einen windigen, aber sonnigen Tag. Wir bereiten an einem Schlafplatz mit grandioser Aussicht - direkt neben der Wasserversorgung des Dorfes - den Brotteig für den Morgen zu und fallen ins Bett. Noch kein Regen :) Am Morgen wird, wie es zur Gewohnheit geworden ist, Brot gebacken (ok, diesmal klebt der Teig am Deckel fest :)). Und dann kommt der Sturm. Wir sind in der Gegend von Valencia und am Morgen können wir das Auto kaum verlassen. Es regenet in Strömen und der Sturm ist überall ums Auto herum zu hören. Also klappen wir den Laptop auf und der Bus wird zum Kino, wobei die Popcorn durch ein Kilo Mandarinen ersetzt werden. Bis wir dem Bann unserer Serie entfliehen, ist das Wetter schon etwas besser geworden. Dennoch heißt es nun gen Süden ziehen, denn es wird kälter. Bevor es losgeht noch eine Handstandsession. Ich habe das Gefühl kaum hochzukommen, die Glieder sind steif und alles ist kalt. "Wie soll ich mit diesen dünnen Ärmchen hundert Kilo stämmen?" - so fühlt es sich an. Weshalb der Satz die nächsten Tage zu Mäds großer Freude wird, fällt mir schwer zu verstehen :). Weiter die Küste entlang Richtung Murci/Cartagena wird alles felsiger und stachliger, eine rauhe aber wunderschöne Gegend. Wir halten nocheinmal an und beobachten das Gewitter. Der Donner klingt über dem Meer besonders intensiv und die Farben des Himmels sowie die Formationen sind faszinierend. Wir bleiben also noch und Mäd fotografiert leidenschaftlich. Wir kommen nur langsam voran. Wir fragen uns, wie es andere schaffen so schnell von Ort zu Ort zu fahren. Langsam realisieren wir auch, dass unser Ziel im Frühjahr noch bis Kirgistan zu kommen ggf. unrealistisch ist. Wir denken über Kroatien und Albanien nach. Oder ein Land wie den Iran herausgreifen und dort dafür wirklich sein. Mal sehen, aber wir sind wohl zu fasziniert von jedem Ort, der uns begegnet, lieben die Bewegung und sitzen nicht gerne lang im Auto. Wir leben draußen. Doch heute ziehen wir nach dem Gewitter wirklich weiter. Auf der Fahrt halten wir nur zum Orangenernten und tanken. Alles ist hier voller Orangen, so weit das Auge reicht. Und nach dem Regen ist alles uberflutet. Die Dörfer sind nicht auf Regen ausgerichtet. Und nun sind wir in Azohia, bei Cartagena. Wir leben bei Laia, Lea und Dany. Es ist richtig nett. Eine kleine, gemütliche Wohnung direkt am Meer mit Balkonen. Wir haben gewaschen und eine warme Dusche genossen. Die Ausrichtung ist günstig, es ist wärmer hier und alles voll kleiner Buchten, türkis und klar. Wir klettern, wandern, trainieren. Wieder einmal steht die Zeit still. Tag und Monat sind nicht mehr wichtig. Wir leben im Moment. Man sollte das so viel mehr dürfen. Alle von uns. Es ist irgendwie gesundend :)

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