Ganz andere Lebensweisen oder auch: was Nikolaus?

GANZ ANDERE LEBENSWEISEN oder auch: WAS, NIKOLAUS?


Oh, das fühlt sich aber komisch an! Schon seit einigen Tagen wird uns bei den Touren in den Supermarkt bewusst, dass Weihnachten naht. Aber das scheint hier völlig fehl am Platz zu sein. Schon an unserem letzten Parkplatz bei Nerja hatten wir sehr sonnige Tage. Da wir vor einiger Zeit bemerkt haben, dass viele unserer Diskussionen im Training entstehen, haben wir hier ein neues System entwickelt. Naja und zudem müssen wir uns natürlich eingestehen, dass Reisen auch wirklich gemütlich werden lässt. Die Tage verfliegen und wir entdecken so viel Neues, dass manchmal die Energie mehr bensprucht wird, als man denkt. Und dann schaut man sich an und überlegt: Training, mhm, morgen... ;) Aber nun haben wir wirklich Lust mal wieder loszulegen. Also haben wir uns eine Kombination aus Basisübungen zusammengestellt, welche wir täglich wiederholen. Das ist zum einen motivierend und lässt zum Anderen keinerlei Diskussionen zu, was wir nun wie, wo machen könnten oder gar warum ;). Seit dem sind wir jedenfalls sehr gut dabei. Und unser letzter Platz mit einem wunderbar gelegenen, sonnigen Sandstrand hat da einen guten Ausgangspunkt geboten. Manch einer mag sich wundern, wenn er nun Mäd bei jeder Gelegenheit einige Liegestützen machen sieht, aber auch das gehört zum neu entwickelten Ton. Neben der neu gewonnenen Disziplin gehört aber weiter die Neugierde auf die Umgebungen und das entdecken der Gegend dazu. Der letzte Parkplatz war in dieser Hinsicht gewissermaßen ein Wendepunkt. Hier standen wir zum ersten Mal mit anderen Bussen dichter aneinander und haben damit viele neue Kontakte geknüpft. Aber beginnen wir von vorne. Wir standen also auf diesem wunderbaren Platz und hatten uns an unseren Raum hinter der Heckklappe für Kochgelegenheiten und Training ziemlich gewöhnt, als plötzlich ein neuer Bus auf das Gelände fährt. Österreicher, die direkt auf unseren Nachbarplatz - also eigentlich unser Wohnzimmer - zuhalten. Wir machen also Platz und es beginnen die üblichen Gespräche. Das Pärchen ist mit zwei Kindern unterwegs und die Vier leben dauerhaft im Bus. Er verdient als Kameramann gelegentlich sein Geld auf Touren und sie passt auf die Kinder auf, welche, da sie aus Laos kommt, zweisprachig aufwachsen. Es wird eine lustige und gesellige Zeit mit den Beiden und unser alter Duschsack findet hier eine wunderbare, neue Heimat. Gemeinsam mit der kleinen Familie haben wir bereits beobachtet, dass unter dem Platz, fast am Meer ein kleines Haus steht, an welchem wir gelegentlich einen Mann mittleren Alters mit seinem Rad beobachten. Und an einem Abend, steht er plötzlich bei uns im Lager. Er spricht fließend englisch und es entsteht schnell ein spannender Einblick in sein ganz anderes Leben. Wie er erzählt, ist er in seinem Leben viel gereist, besonders durch Asien, aber auch sämtliche andere Ecken der Welt. In Thailand lebt sein Kind, wohingegen er sich nun seit acht Jahren in dem untenstehenden Haus niedergelassen habe. Das Haus hat er besetzt. Seinen Erzählungen zufolge, muss es bei seiner Ankunft vollkommen heruntergekommen gewesen sein und er hat es von Müll und Schutt gereinigt. Obwohl das Häuschen mitten im Parque Natural steht, weshalb es für seine ehemaligen Besitzer wertlos geworden ist, akzeptieren ihn sowohl die Kontrollen als auch die Polizei. Er räume für sie den Strand auf und achte auf Land und Tiere. In seinem Haus gibt es weder Elektrizität noch Wasser und für die Schwalben, welche ihr Nest innerhalb seiner Gemäuer gebaut haben, steht immer ein fenster offen. Sie waren schließlich vor ihm da. Wir sind am Abend zum Tee und am nächsten Tag zum Mittagessen eingeladen. Alle bringen etwas mit und wir sitzen in seinem kleinen Paradies zusammen. Der Garten ist liebevoll gestaltet und er ernährt sich von allem, was dort wächst. Ab und an spült ihm das Meer etwas Gras zu, wie er lachend berichtet, denn wenn es zu Kontrollen kommt, schmeißen die Dealer alles schnell ins Wasser. Sein Leben ist ein kleiner Traum, verbunden mit der Natur und einig mit sich selbst. In den Gesprächen zeigen sich hier und da etwas festgesetzte Ansichten und Überzeugungen, das macht die Gespräche nicht nur einfach. Am Abend bevor wir aufbrechen wollen, fahren unsere Nachbarn ab und sogleich beglückt uns ein Pärchen unseren Alters mit Baby und Hund aus dem Norden Deutschlands mit neuer Gesellschaft. Es ist ein herzlicher und schöner Abend und so beschließen wir, uns wiederzutreffen. Aber erstmal geht usner Weg nach Nerja. Tahin (=eine Sesampaste) finden steht ganz oben auf der Liste, um Mäds Glück aufrechtzuerhalten. Es ist nicht die erste Suche nach diesem lebenswichtigen Elexier und ich weiß bereits im Voraus, dass ich viel Ruhe brauche. Aber es ist ein schöner Tag und Nerja ein hübsches Städtchen (wobei Mäd wohl eher sagen würde: "n spanisches - touristisches Dorf halt") und wir schlendern gemütlich durch die Gassen. Es ist absurd, aber wir genießen es tatsächlich Zeit zu zweit zu haben, obwohl man meinen könnte, das hätten wir im Überfluss. Und wer glaubt es: Wir finden sogar Tahin. Sonnenklar, dass ich darauf bestehe gleich einen ordentlichen Vorrat anzulegen. Und nun: wohin? Wieder eine solch anstrengende Entscheidung ;) Am Ende finden wir auf unserer App einen Platz, der uns geeignet erscheint. Doch als wir dort ankommen, scheint dies eine Illusion. Der angegebene Platz ist in einen See verwandelt und zudem stehen wir im Halbdunkel mitten auf einem Privatgelände. Super. Beide haben wir hunger, es ist feuchte Salzluft, kalt und auf eine lange Suche hat keiner von uns beiden Lust. Also geht Mäd sich dennoch umschauen und trifft tatsächlich auf einen Besitzer ohnesgleichen. Ein Mann mittleren Alters, der sich eine Zigarette an der anderen anzündet. Zahnlos , doch zurechtgemacht. Mit seiner tiefen, rauchigen Stimme spricht er zudem perfektes Deutsch und lädt uns herzlich auf sein Gelände ein, auf welchem bereits eine bunte Mischung verschiedenster, nicht unbedingt vertrauenserweckender, Menschen mit Wohnmöglichkeiten steht. Im Sommer betreibt er hier ein Restaurant und im Winter bepflanzt er einen Teil der Parklplätze mit Gemüse. Er ist herzlich, zeigt uns alles und erzählt aus seinem Leben als Diplomatenkind, dem Traum Geschichte zu studieren und aus der Dickköpfigkeit seines Vaters heraus aber Kellner geworden zu sein. So endlos die Erzählungen scheinen, so plötzlich verabschiedet er sich, um trinken und spielen zu gehen, denn das genieße er am Abend und im Winter. Die Zwielichtigkeit des Ortes, an welchem anscheinend auch mit dem Schiff die marrokkanbischen Dealer stranden, so wunderbar geht es uns dort die zwei Tage und der Strand ist ein Traum. Wir trainieren hart, kochen und lauschen den lustigen Geschichten. Doch auch er ist sich wohl nicht so sicher wer wir sind, ein junges Paar, das genug Geld zu haben scheint einfach herumzureisen. Wir begegnen uns wohl gegenseitig mit Interesse und gleichzeitigem Respekt. Bei unserer Abreise lassen wir ihm noch eines unserer Bücher und fahren mit einer Flasche Wein mehr weiter. An unserem Jetzigen Platz treffen wir auch die kleine Familie wieder. Der Platz hier ist unerweratet genial. Eine lustige Gemeinschaft mit abendlichen Lagerfeuern, tagsüber 27 Grad, leerer Strand, Slackline und Ruhe, gelegen zwischen Büschen und Dünen. Anders als geplant genießen wir das schon eine Woche und fahren wohl nur weiter, weil wir wegen Workshops nach Malaga müssen. Es ist wie im Sommer und alle sorgen für alle und doch ist jeder für sich. Zudem soll es hier eine spezielle Chamaeleonart geben, sodass Mäd nachts ausdauernd mit seiner Kopflampe unterwegs ist. Bisher erfolglos, aber wenn doch, dann verraten es wahrscheinlich die Bilder ;) Naja und so sieht also auch unser Nikolaus aus. Eine Welt, die im Moment so gar nich weihnachtlich ist, sondern nach Frühling riecht. Dennoch senden wir euch allen die sonnigsten Nikolausgrüße zu!

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