Chamäleonsuche und Hippistrand



Nach unserer Villa und der wunderbaren Zeit mit unserer Akrobatik-Familie war es beinahe seltsam wieder vor unserem Bus in Tarifa zu sitzen und im Sand und Wind den Hunger zu stillen. Ein Gefühl der Einsamkeit beschlich uns in den ersten Momenten und das, obwohl ja doch überall um uns herum wieder neue Menschen waren. Aber auch wenn die Begegnungen auf der Reise schön und erfüllend, spannend und den Horizont erweiternd sind, so sind sie einfach nicht das Gleiche wie eine Woche unter Freunden. Deshalb ist auch klar, dass wir nächstes Jahr wieder gemeinsam feiern werden :). Trotz allem siegt auch schnell die Gewohnheit und wir haben uns im Bus wieder eingelebt. 


Die ersten beiden Tage verbringen wir mir ausgedehnten Spaziergängen am Strand und beobachten all die Kiter in der Gegend. Mäd würde am liebsten direkt mitmachen, aber sowohl der finanzielle Aspekt, als auch, dass wir kein Material haben, sprechen dagegen. Also geht es eine Bucht weiter. Und hier ist es wirklich schön! Fern von all den anderen Campern und dem Gestank, der sich an diesen Stränden leider doch festsetzt, genießen wir kleine Buchten und die schönsten Dünen. 


Das Meer hier ist sanfter und nach einem Bad in den Wellen, duschen wir uns an einer kleinen Quelle ab. Es sind schöne, aber auch nicht nur einfache Tage. Die monatliche "Vor-der-Periode-Sensibilität" trifft auf "Mäd-stoppt-rauchen". Umso mehr sind wir stolz auf uns, dass wir es in dem kleinen Bus gemeinsam schaffen. Es ist ein enger Raum auf dem man zu zweit lebt, aber wir meistern es gut, besser als gedacht :) 


So ist es am Abend auch schön einen ruhigen Moment zu haben, während Mäd auf Tierkagt geht. Wieder einmal sind Chamäleons das Ziel! Nachdem tagsüber keine Chance bestand, welche zu finden und die letzten Sucherfahrungen eher ernüchternd waren, war der Glaube an Erfolg schon etwas getrübt. Ich habe es mir also schonmal im Bus gemütlich gemacht und die Zeit mit meinem Buch genossen. Kaum habe ich einige Sätze gelesen, höre ich meinen Namen. Und tatsächlich, Mäd bringt ein Babychamäleon mit. Ein überaus goldiges, kleines Wesen. Das habe ich noch nie gesehen und beim Laufen kleben seine kleinen Füße auf der Haut (nun lese ich dies gerade Mad vor und er diktiert berichtigend: Die haben keine klebenden Füße, sondern Krallen) . Dann geht die Suche weiter und ich freue mich wieder aufs Buch. Doch was solls, Mäd kommt schon mit dem nächsten Tier. Dieses ist viel größer und zeigt andere Farbtöne auf. 


Und dann verlassen wir wieder einmal einen schönen Platz, um einige Klettertage mit Juschi und Caro zu verbringen. Dazu geht es nun endlich nach Portugal. Wir schaffen es also doch noch über die Grenze :). Etwas weg vom Meer in Rocha da Pena finden wir sie in einer wunderschönen Gegend. Tagsüber prallt hier die Sonne so gegen die Felsen, dass wir uns sogar in den Schatten verkriechen. Kaum vorstellbar, dass Zuhause gerade das Schneechaos tobt! Doch auch die Menschen hier berichten, dass es derzeit besonders heiß ist. Die Abende und der Wind lassen doch schnell die Kälte aufziehen und unsere neu gekauften warmen Kleider bereiten uns auch schon auf die baldige Rückreisr für unseren Zwischenstopp vor. 


Ja, Beginn Februar geht es eine Weile heim, bevor Teil 2 beginnt:) Familie und Bewerbungen stehen an. Wirkliches Leben in einem Haus :) und Wiedersehen mit Freunden. Eine verrückte aber auch sehr schöne Vorstellung aus der Ferne. Freiburg soll die neue Heimat werden und ich werde mich auf die Stellenliste setzen und Mäd muss sich wohl ohne das "Beamtenprivileg" genauer umschauen. Dafür hat er aber auch mehr Freiheit und Wahl bei der Suche :) Aber was soll das, noch sind wir hier, also zurück zum Jetzt: Portugal. 


Die letzten drei Tage haben wir in Sagres an einem besonderen Stand verbracht. Er wird als der Hippie-Strand bezeichnet. Wie ein Magnet zieht er die unterschieichsten Menschen an. Die kleine Straße führt bis ans Meer, wo sich in einer Bucht zwischen den Klippen der kleine Parkplatz befindet. Hier leben Aussteiger, junge Menschen, die gerade die Schule abgeschlossen haben, die wie wir Pause einlegen sowie Rentnerpärchen mit einem großen Hunderudeln zusammen. Manch einer bereits für fünf Jahre, andere nur für eine Nacht. Alle leben "ihr Ding" und doch trifft sich am Abend alles beim Lagerfeuer und es werden Geschichten und Erfahrungen ausgetauscht. Die Einblicke sind spannend! Durch die offenen Menschen, unseren Sport und den gemeinsamen Platz finden sich schnell wieder neue Kontakte. Um dem Trubel des Platzes und den vielen, kleinen und lustigen Plappereien mit Althippies und anderen Reisenden über das Kochen, Brotbacken, Lebensphilosophien oder Geburten von Enkelkindern auch mal zu entgehen, erklimmen wir die Klippen. Hier ist niemand. Aber es gibt viel zu entdecken. Der Stein ist rauh und wir finden riesige Höhlen, die das Meer hineingefressen hat. Dort zu liegen und den Wellen zu lauschen, erfüllt mit Ruhe. 

Auf jeden Fall ein Platz, der eine eigene kleine Welt erschaffen hat und wohl bei jedem Besuch andere Neuigkeiten erzählt :) 


Und nun rieselt es. In unseren Daunenjacken und dicken Stiefeln sitzen wir in unserem Bus, - der übrigens im Vergleich zu all seinen Parkplatz-Freunden plötzlich sehr klein wirkt - lassen die Gedanken schweifen und erinnern uns an diese letzten Erlebnisse. Der Weg hat uns auf einen kleinen Berg geführt, von dem aus wir die Gegend bis hin ans Meer überblicken können. Und vor allem: überall sehen wir Störche. Seit wir die Grenze passiert haben, scheinen sie überall zu sein. Alles, was wie ein Mast aussieht, ist mit einem Nest geschmückt. Ob sie im Sommer zu uns heimkehren? :) 


Erfüllt von den Erinnerungen und Bildern werden wir uns bald ins Warme kuscheln. Wir hoffen euch einen kleinen Einblick und etwas der Wärme aus den letzten Tagen hiermit senden zu können! :)

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Kommentare: 1
  • #1

    Gotti Doris (Samstag, 02 Februar 2019 13:53)

    Lieben Dank für die spannenden, ehrlichen Reiseberichte. Macht mir immer wieder Freude, Zeit mit euch in wärmeren Gefilden zu verbringen. Eine gute Zeit und gute Rückreise.