Prioritäten setzen- ein Luxus!

Einige letzte schöne Tage in Portugal. An einem kleinen Fluss machen wir es uns gemütlich und erkunden kletternd und wandernd die Gegend. Nach all dem Wind sind die sonnigen, nach Frühling riechenden Tage ein wirklicher Genuss! Wir machen lange Kochaktionen, spielen Schach bis endlich auch Mäd einmal besiegt wurde und genießen die Tage zu zweit, bevor es wieder zurück gehen wird. Vom Meer haben wir uns in Nazare verabschiedet, wo die hohen Wellen einen gebührenden Eindruck hinterlassen haben. 

Was uns in der Zeit in Portugal besonders aufgefallen ist und auch eine Schwierigkeit des Landes aufgezeigt hat, sind all die abgebrannten Wälder. Sowohl am Meer als auch im Hinterland, nun an dem kleinen Fluss, an welchem Mäd bereits vor einigen Jahren war, ist alles schwarz. Zwar scheint der Eukalyptus schnell wieder zu wachsen und der Boden nach den Bränden teilweise besonders fruchtbar zu sein, doch ist der Anblick auf so große Flächen auch erschreckend. Die kleinen Höfe überall haben hier im Sommer sicherlich zu kämpfen. So werden in die neu angepflanzten Flächen große Schneisen geschnitten, um der Ausbreitung weiterer Brände vorzubeugen. Bilder, die in Erinnerung bleiben…

Und dann ging es im Eiltempo nach Hause. Ein komisches Gefühl in die Kälte zu fahren. Warum nur? Wir haben doch noch Zeit. Doch wofür nehmen wir uns solche Freiräume wie das Reisen, wenn dieses Jahr nicht auch die Möglichkeit bietet, für die Menschen da zu sein, die uns wichtig sind? Mein Opa hatte in der letzten Zeit einige Verletzungen und lebt derzeit bei meinen Eltern. Diese arbeiten, es steht auch dort eine Zahn-OP an und zudem der Umzug meines Opas in ein WG-betreutes-Wohnen. Somit geht es zurück, um dort anzupacken.

Die Tage im Auto sind anstrengend. Unser lieber Traktor gibt sich zwar reichlich Mühe, doch schleichen wir weiterhin mit 90 km/h voran. Und uns geht es wohl ebenso. Wir sind sehr tapfer, was das Sitzen betrifft, doch unsere innerliche Unruhe treibt uns an die Grenzen der Geduld. Zudem kamen natürlich die kälter werdenden Nächte hinzu. Am ersten Tag sind wir bereits bis nach Spanien gefahren. Da es sehr früh dunkel wird, haben wir nicht mehr weiter hinausgeschaut. Sobald wir aber nach Schlafplätzen gesucht haben, haben wir uns nochmal umgeschaut. Und was sehen wir? Überall Schnee. Also kurz die Temperaturen anschauen: die letzten Nächte bis -9 Grad, heute nur wenig unter null. Also los gehts. Die erste Nacht im Schnee. Aber auch das ging erstaunlich gut und wir hatten es sogar warm in unserem kleinen Bus.

Zuhause angekommen, war erstmal Schweiz angesagt. Wir waren bei Mäds Eltern, Geschwistern und Patentante. Überall wurden wir bewirtet und umsorgt, hatten schöne Gespräche und lustige Momente. Es war schön alle wiederzusehen. Und es war sehr ungewohnt wieder in vier Wänden anzukommen. Wohnung, Badezimmer, warme Dusche, essen an einem Tisch, sitzen auf Stühlen… Und an den Abenden energiereiche Trainingssessions mit den Zürchern. Etwas, das uns bei unserem Umzug nach Freiburg sicherlich fehlen wird. Aber wer weiß, vielleicht schaffen wir es ja eine Wochenend-Treffen-Routine einzurichten, die Idee steht schonmal 😉

Dann geht es ab an den Bodensee. Hier werden wir von meiner Familie empfangen, schauen entspannend Tatorte, genießen das Training in Konstanz und werden in den Pflegealltag eingeführt. Es ist rührend und schön so viel Zeit mit meinem Opa zu haben, all den Erzählungen zuzuhören und Zeit zu haben. Aber es kostet auch Kraft, wiederholt sich und braucht Ruhe. In einem Arbeitsalltag wie ihn meine Eltern haben, ist das wohl kaum zu schaffen. Umso mehr bin ich froh darüber, gerade jetzt einspringen zu können. Während wir also noch vor kurzem zu zweit im Nirgendwo waren, sind wir nun vollkommen und mitten im Familienalltag mit vollem Haus und vielen auch anstrengenden Tagen. Aber gleichzeitig fühlt es sich auch warm an, Zuhause zu sein. Seit wir hier angekommen sind, haben wir bereits Möbel vermessen, einen Umzug gemacht und eine wunderschöne, neue, aber mit alten Erinnerungsstücken eingerichtete Wohnung für meinen Opa erschaffen. Trotz erster Befürchtunge, wie die Reaktionen wohl sein würden, hat sich die Anstrengung gelohnt. Er hatte viel Angst vor dem Umzug, einem neuen Zuhause, dem Loslassen dessen, was ihn ein Leben lang begleitet hat. Seit bald 90 Jahren. Als er das neun Appartement betreten hat, hat sich Erleichterung auf seinem Gesicht gezeigt und beim Anblick all seiner geliebten Dinge, die in seinen jungen Jahren hart erarbeitet wurden, kamen alte Erzählungen und Geschichten hervor. Der Moment war schön. Ich bin sehr froh, dass uns das so gelungen ist… und: DANKE Mäd 😊!

Somit ist die Zeit hier nicht nur erholsam oder einfach, aber sie bedeutet auf andere Weise sehr viel und wäre neben einem Berufsalltag nicht erfüllbar. Das setzen solcher Prioritäten ist für mich derzeit ein großer Luxus. Für nächstes Schuljahr stehe ich nun auf der Bewerberliste und Mäd sucht ebenfalls – Job und Wohnung. Ich freue mich aufs Arbeiten und bin gespannt, wie und wo es sein wird. Aber ich hoffe auch, dass diese Dinge weiterhin für mich zu ermöglichen sind. Vielleicht nicht in der jetzigen Intensität und Spontanität. Aber doch, dass das bewusste setzen der Prioritäten sich nicht vom Alltag überrennen lässt…

Und nun? Wie geht’s weiter?

In der nächsten Woche geht es ab an die Winterconvention und damit körperlich arbeiten und vollgas trainieren, endlich weiterlernen… Danach stehen noch ein paar Besuche und weitere Tage am Bodensee an, sozusagen, um den Umzug noch in der Eingewöhnungsphase zu begleiten. Danach heißt es dann, so wie es gerade aussieht, ab in den Osten, Ukraine und Rumänien rufen, wo auch immer uns diese Richtung dann letztendlich hintreiben wird… wir sind selber gespannt und auch das ein Luxus 😉

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