Einsatz als Handwerker

Ich weiss der biegt sich, aber besser kann ich es noch nicht :)
Ich weiss der biegt sich, aber besser kann ich es noch nicht :)

Nach unserem Halt in Bosnien-Herzegowina, welches wir wirklich lieben gelernt haben, ging es im Regen weiter gen Montenegro. Das Navi hat uns erst durch Kroatiens faszinierende Steilküsten und dann nochmals durch Bosnien-Herzegowinas wundervolle Täler und Gegenden gelenkt und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Bäche sind noch natürlich, die Gegenden selten trocken gelegt und die Straßen selbst zwischen den großen Städten eher Kieswege. Mehr als einmal haben wir dem Navigierenden nicht getraut, um dann festzustellen, dass das aber eine wirkliche Straße sein sollte, was da als Pfad vor uns lag. Teilweise waren die Anblicke der verlassenen Dörfer und Ruinen mit den Spuren der Kriege aber auch beklemmend. Immer wieder sind wir in die Dörfer abgebogen und haben uns das Leben dort angeschaut. Die Menschen leben meist in kleinen Höfen draußen im Nirgendwo. Aber alles ist wunderschön hergerichtet und liebevoll gestaltet. 

Durch Montenegro sind wir dann recht schnell gefahren. Auf den Pässen lag noch Schnee und das Regenwetter wollte einfach nicht weichen. Trotzdem war zu erkennen, wie schön Gegenden wie gerade die Tara-Schlucht bei Sonnenschein sein dürften. Lustigerweise verwendet Montenegro den Euro, ohne ein Eu - Staat zu sein. Wir wussten vorher nicht einmal, dass das möglich ist. Aber anscheinend hatte Montenegro noch nie eine eigene Währung und inzwischen ist es sogar offiziell Kandidat für dein Eu-Beitritt. Nach einer Nacht in einem kleinen Steinbruch zwischen Höfchen, die ärmlich aber wunderschön gelegen von ihrer eigenen Wirtschaft leben, ging es über einen Pass an die Grenze zu Serbien. Erst war dort alles wie immer, die kleine Scheibe öffnet sich, wir sollen Pässe und Fahrzeugpapiere zeigen. Doch dann hörten wir immer wieder etwas mit "Visum Iran" und das Fensterchen schließt sich. Wir realisierten, dass in Mäds Pass noch das Iranvisum von 2014 war. Aus irgendeinem Grund schien das ein Problem zu sein. Danach mussten wir nochmal unser Auto öffnen und den Inhalt zeigen, dann durften wir aber problemlos einreisen. Serbien hat auf uns einen heruntergekommeneren Eindruck gemacht. Große offene Mülldeponien waren überall zu sehen und auch die Städte haben einen weniger gepflegten Eindruck gemacht. Die meiste Zeit waren die Gegenden jedoch von kleinen Höfen und Gärten geprägt. Es war hier auch schwer Schlafplätze zu finden, denn alles war durch kleine Viehzäune abgesperrt. An den Straßen gab es hier bei jeder Schule Polizeikontrollen, was uns als sehr simvoll erschien, obwohl wir leider einmal selbst hineinkamen. Der Polizist war allerdings sehr entspannt, meinte wir sollten das nächste Mal bitte 40 und nicht 47 fahren und nun unsere Reise genießen. Einen Tag haben wir noch bei einem sehr schönen Nationalpark verbracht, bevor wir weiter gen Ungarn gefahren sind. Da die Regenepisode immer noch nur kleine Sonnenaugenblicke zugelassen hat, war es auch anstrengend im Bus zu sein. Das haben wir dann auch an uns und der Stimmung gemerkt. Der enge Raum macht das dann nicht unbedingt einfacher, aber nach einer Nacht im Zelt, konnten wir wieder gemeinsam im Bus kuscheln :). 


Als wir die Grenze zu Ungarn erreicht haben, stand gerade ein Gewitter am Himmel, mit Donner, Blitz und dunklen Wolken. Dazu die doppelten Stacheldrahtzäune und all die Schlangen von Lastern, Bussen und Menschen, die wartend am Rand gelagert haben, ergaben ein bedrückendes Bild. Wieder einmal begegneten uns hier an der Grenze die Flüchtlingsthematik mit all ihren erschreckenden Auswirkungen an den Außengrenzen der EU. Ein Ziel, welches viele nicht erreichen werden. Auch unser Bus wurde auf weitere Personen kontrolliert, doch durften wir ohne weitere Zwischenfälle einreisen. 

Ungarn war im Gegensatz zu den zuvor bereisten Ländern erstmal einfach flach. Keine Berge und Hügel, die den Horizont hinaufklettern. So kamen wir im dunkeln bei Phillips Gehöft an. Er selbst kam erst am nächsten Tag, doch wir machten es uns schonmal in seiner Einfahrt gemütlich und hatten dort einen wunderschönen Tag zusammen. 


Auf dem Anwesen sind wir eine Woche geblieben. Wir haben mit Phillip am Haus gebaut, Boden verlegt, fürs Streichen abgeklebt, Ofen eingebaut, Einkäufe erledigt, kochen unter freiem Himmel im Vorhof, grillen im Sonnenuntergang und schöne Stunden nach der Arbeit für Bewegung und Gespräche. Zudem konnten wir einen Einblick ins Leben dort und all die Nachbarschaftsbeziehungen und Eigenheiten erlangen. Es waren viele schöne Stunden und nach den Regentagen hat das Ankommen in einem Zuhause gut getan. Am Ende der Woche waren auch Phillips Eltern über Ostern da und wir konnten Eier suchen und Erdbeerquark essen. Hierbei war Mäd der gefeierte Mann des Abends. Sahne schlagen, aber wie ohne Gerät? Die Erfindung war folgende: Man nehme einen Bohrer und befestige daran drei Kabelbinder, die sich nachher schnell wie ein Schneebesen drehen. Es gab perfekte Schlagsahne! :) 


Wieder einmal war es darüber hinaus bewundernswert wieviele Tiere, Vögel, Insekten, Rehe... etc. wir dort um das Haus und in den Wiesen finden konnten. Die weiten Wiesen und Flächen mit ihren angrenezenden Wäldern bieten ihnen einen Lebensraum, der bei uns kaum mehr aufzufinden ist. Eine Erkenntnis, die auf der Reise immer wiederkehrt. 

Danke Phips für die schöne Zeit und dass du dein Zuhause mit uns geteilt hast. Und klar, für die Möglichkeit einen zweiten Handstandständer zu bauen und bei Freunden zu schweißen... Diesmal in Mäds Größe :) 


Nun sind wir in Rumänien angekommen. Die Wäsche ist frisch und wir haben das erste Städtchen erkundet. Lebendig mit vielen jungen Menschen auf den Straßen. Auch hier ist viel kaputt und überall stehen große Gehöfte leer. Aber dennoch ist das Land belebt, zumindest dort, wo Dörfer sind. Die weiten Strecken unbebauter Landschaft sind nämlich ebenso eindrucksvoll. Leider regnet es heute nochmal. Wir stehen an einem kleinen See, der ohne den überall liegenden Müll noch traumhafter wäre und freuen uns auf die nächsten Tage, die mehr Sonne bringen sollen und auch uns damit ein angenehmeres Busleben ermöglichen. Morgen ist in Timisoara zudem ein Treffen im Park für alle Formen von Bewegung. Slacklinen, Akrobatik und wer weiß was noch :) - sofern das Wetter mitmacht... Wir freuen uns drauf... 


Hoffentlich hattet auch ijr schöne Ostern und viel Sonne :) wir grüßen aus dem schönen Rumänien! 


Ps: was toll am Reisen durch Europa ist, ist, dass man sich mit jedem der Länder auch geschichtlich nochmal befasst, Dinge nachliest und ein neues und umfassendere Bild sozusagen der eigenen Heimat erhält... - wir sind immer wieder fasziniert!

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Kommentare: 1
  • #1

    Doris (Samstag, 04 Mai 2019 08:03)

    ...lieben Dank ihr Lieben. Die Berichte sind immer so spannend und ein Fenster in eine für mich unbekannte Welt!! Seid ganz lieb gedrückt Doris��