Schäfer und Akrobatikunterricht


Unseren kleinen See zu verlassen fiel uns nicht ganz leicht . Nach ein paar Tagen an einem Platz kann man sich dort richtig einnisten. Man kennt die Umgebung, die Menschen, die kommen und gehen, die wilden Hunde und den Fuchs im Gebüsch. Ebenso den Stand der Sonne zu verschiedenen Tageszeiten und die Geräusche in der Nacht. Dennoch zieht es einen wieder weiter und diesmal haben uns auch die angekündigten Gewitter weiter getrieben. Erstmal sind wir durch die Berge gen Peteschti gefahren. Die Flusstäler und hohen Ebenen sind wunderschön, auch wenn teilweise sogar noch Schnee auf den Pässen lag. Für einige Tage waren wir so unterwegs. In Rumänien gibt es überall Schafsherden und wilde Hunde, mehr als in den Ländern, welche wir zuvor bereist haben. Und keine Polizei. Noch nirgends wurden wir einfach gar nicht angehalten oder durch die Lichthupen anderer Autos vor Kontrollen gewarnt. Aber hier, nichts. Unser nächster Platz, an welchem wir uns wieder wirklich niederließen war auf einer Wiese, direkt am Fluss. Nicht weit von einer ärmlichen Siedlung aber nur über einen Schotterweg erreichbar, der nur selten befahren wurde. Wenn, dann von den Lastwagen die Gestein und Schutt transportierten. Einmal am Tag zogen auch Schafsherden an jeder Seite des Flusses entlang. Und natürlich bekamen wir Besuch von den wilden Hunden. Allerdings waren sie sehr verschreckt. Nur einer kehrte immer wieder. Mit sicherem Abstand, voller Angst, aber doch Nähe suchend. Wir nannten ihn Freddie und irgendwie begann er mehr und mehr zu uns zu gehören. Zwar ließ er sich nie von uns berühren oder kam näher an uns heran, doch lag er von nun an in sicherem Abstand bei uns und beobachtete unseren Tag. Essen, spielen, trainieren, die Gegend erkunden, lesen, jonglieren etc. An einem der Tage kam der Schäfer dann auf uns zu und begann uns mit Gebärden und auf rumänisch etwas zu erzählen, er hatte uns beim Training beobachtet und war nun interessiert, was wir da tun. Seine Frau kam kurz darauf auch und brachte uns einen Käse aus Schafsmilch. Gerne hätte sie meinen großen Wollschal bekommen, sofern wir das aus den Gebärden entnehmen konnten, doch der ist ein zu treuer Begleiter auf der Reise, als dass ich ihn weitergeben würde. Wir kochten Ihnen einen Kaffee und unterhielten uns noch eine Weile, bevor die Beiden weiterzogen. Plötzlich kam der Schäfer noch einmal zurück und zeigte auf eines der Bilder an unserem Auto, auf welchem ich einen Handstand auf Mäd mache. Ob er das mitnehmen dürfe? Klar! Strahlend machte er sich wieder auf den Weg. Das war sehr schön zu sehen! Zwei Tage später beobachteten uns von etwas weiter weg zwei kleine Jungen beim Training. Nach einer Weile schlichen sie näher heran. Wir fragten sie, ob sie auch etwas ausprobieren wollten und nach einem ersten nein, wurden sie immer mutiger und Mäd kam aus dem Arbeiten gar nicht mehr heraus. Kurz darauf standen noch zwei Mädchen da und mit Händen und Füßen sowie mit dem Handy kommunizierten wir mit ihnen und hatten einen wunderschönen Nachmittag mit strahlenden Kinderaugen. Sie waren überzeugt, wir würden bei Supertalent arbeiten und völlig erstaunt, dass wir Zuhause andere Berufe haben. Wann wir wiederkommen würden, wer von uns das Auto lenkt und vieles mehr wollten sie wissen. Sicherlich haben sie hier noch nicht viele Menschen getroffen, die von weit weg kamen. Ihr Vater war einer der Lastwagenfahrer und auch die lokale Polizei hatten wir schon kennengelernt. Während ich mit Magen-Darm (hier war ich einen Tag ausgeschaltet) beim Bus lag, hatte Mäd ein nettes Gespräch mit ihnen. Nein, Campen ist erlaubt und kein Problem, eher hatten sie Interesse an unserer Route und Reisedusche und warnten uns vor den Bewohnern der nahegelegenen Siedlung. 

Somit ging es nach einem schweren Abschied nach Bukarest. Die Stadt ist groß und bzgl. Verkehr ein reines Chaos. Dennoch kamen wir bei der Wohnung von Sandra an, die wir über die Akrobatikgruppe gefunden haben und die uns eingeladen hat, das Wochenende bei ihr zu verbringen. Am Abend sind wir gemeinsam auf die Jam gegangen und haben die Gruppe hier kennengelernt. Wir konnten miteinander spielen, etwas unterrichten und es genießen über die Akrobatik neue Verbindungen zu knüpfen und Freude zu verbreiten. Spontan blieben wir länger als geplant. Das lag auch an Sandra, die uns herzlichst aufgenommen hat, uns verpflegt und alle Türen geöffnet hat und uns erfahren ließ, wie gastfreundlich das Land ist. Aber auch, weil es mit ihr von Anfang an sehr entspannt war und wir alle auf einer Wellenlänge waren. So hatten wir trotz Mäds Migräne eine gute und lustige Zeit. Seit langem einmal wieder in einer Stadt. Wir wurden sogar von einem anderen sehr netten Paar noch in einen Biergarten eingeladen und mit Essen des Mexikaners, bei dem er arbeitete, beschenkt. Wir hatten also wirklich alles. 

Und so ging es dann vor drei Tagen ans Meer. Hier wollten wir einen netten Platz am Strand finden und plötzlich standen wir vor der Grenzpolizei. Bulgarien. Uns war nicht bewusst gewesen, wie nah bereits das nächste Land lag. Da die Polizei also praktisch neben unserem Lagerplatz stand, beschlossen wir noch über die Grenze zu fahren. Und hier ist es traumhaft. Unbebaute Strände und Wiesen. Alles blüht, zwitschert und zirrt. Das Meer ist je nach Wind still oder wellig und wechselt seine Farben von tief blau zu türkis. Ein Ort, der sicher auch ein paar Tage zur Heimat wird.

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Kommentare: 1
  • #1

    Bettina (Montag, 13 Mai 2019 11:38)

    Atemberaubende Bilder und die Geschichten dahinter machen sie nur noch schöner :)