Wilde Verhältnisse

Scolopender, wunderbare Tiere
Scolopender, wunderbare Tiere

Der letzte Platz am Meer hielt uns noch einige Tage fest. Doch dann war es Zeit weiterzuziehen. Nicht besonders weit von dort liegt das Donaudelta, dessen Ausläufer wir uns als Ziel aussuchten. Diesmal mussten wir an der Grenze wirklich alle Kisten herausnehmen und versichern, dass wir keine Personen schmuggeln würden. Es scheint als seien Drogen oder Waffen oder andere Dinge, nach denen bis vor einige Jahren an den Grenzen gesucht wurde inzwischen völlig uninteressant. Personen, danach wird überall gefragt und geschaut. Dann ging es weiter. Mäd am Steuer und schon nach wenigen Kilometern ging der Puls nach oben und Mäds durchgehendes, ironisches, aber doch ernst gemeintes Schimpfen auf die anderen Fahrer begann. Die schweizerische Ordnungsliebe versteht sich mit den wilden Verhältnissen auf den Straßen hier wirklich nicht. Zudem grenzt es wohl wirklich manchmal an Gefahr.

Beispielsweise:

1.) Parken im Kreisel (und wenn man falsch gefahren ist, warum dann nicht rückwärts aber in Fahrtrichtung durch einen Kreisel?) 

2.) Wir sehen Warnleuchten wegen einer Baustelle mitten in einer Kurve. Gut, dass diese auf einem Auto mit Brennstoffladung stehen. 

3.) Knappes Überholen - der andere wird schon bremsen (leider erzählen die Kreuze an den Straßen andere Geschichten). Rechts überholen gehört auf der Autobahn oder auch im Dorf auch eher zum Standart als links. 

4.) Generell fahren alle mindestens 10-20kmh über den Angaben, alles andere ist gefährlich 

5.) die Straße hat drei Spuren. Alle Ansagen stehen auf der mittleren Spur für beide Richtungen angeschrieben. Wer nutzt sie? Na einfach alle. 


Bis wir ankamen wurde also viel geschwitzt, geschimpft und gelacht. Wir haben für den Naturpark eine kleine Gebühr gezahlt und durften dort dann auch über Nacht stehen. Zwar haben uns am Abend die Mücken gequält und ich sah aus wie ein Streuselkuchen, doch sollten die Begegnungen mit Tieren am nächsten Tag erfreulicher werden. Nachdem ich am Morgen beinahe einen Herzinfarkt hatte, als ich auf eine Schlange gestanden war, fand ich doch direkt noch eine kleine Schildkröte. Mäd wollte das zwar kaum glauben, doch schwups fand er selbst noch eine. Neben einer unglaublichen Vielfalt an Vögeln gab es also noch andere Tiere. Sofort machten wir uns auf und durchsuchten die Gegend. Und wirklich, Schlangen und Schildkröten fanden wir noch viele. Sogar eine, wie sie gerade ihre Eier in ein Sandloch legte. 


Am Abend riefen dann unsere Freunde aus Bukarest an. Sie seien nun in Vama Veche am Meer. Wir haben dann beschlossen nochmals zurückzufahren und mit ihnen etwas Zeit zu verbringen. Immerhin waren sie extra gekommen und wir hatten immer eine sehr schöne Zeit. Wir haben Akrobatik am Strand gemacht und dabei zahlreichen Vätern einen Streich gespielt, die hinterher mit ihren kleinen Kindern ebenfalls fleißig turnen mussten, waren romänisch essen und hatten eine gute gemeinsame Zeit. Dann sind wir nochmal an den Platz am Donaudelta zurück, doch waren es sehr windige Tage. Also los zum nächsten Naturpark. Hier haben wir eine lange Tageswanderung gemacht und was Mäd unter all den Steinen aus der Reptilien und Insektenwelt entdeckt hat, das erzählen seine Bilder wohl eindrucksvoller als ich es vermag. Wir hatten eine sehr gute Zeit dort, bis uns der Regen weitertrieb. 


Es ging nach Dopesti, wo wir an einem Platz anhielten, der oben auf einem Hügel lag. Für uns perfekt. Sonne und weite Flächen. Und Bäume, um eine Idee, die wir schon lange hatten endlich wahr werden zu lassen. Einen Sicherungsgurt für die Akrobatik (Longe) aufbauen. Normalerweise braucht es jemanden, der diesen bedient, doch wir erfanden eine andere Variante :) Es war wild aber funktionierte und wir haben viel Spaß gehabt. 

Zudem hatten wir an dem Platz, welcher sich historisch als sehr wichtig erwies, viele Begegnungen mit spannenden Menschen, die uns viel über Land, Kultur und Geschichte erzählten. Eine der Frauen arbeitet für eine NGO, die Bilderbücher auch für Kinder aus den kleinen Dörfer zugänglich machem will und die an diesem Ort Lesungen organisiert. Viele schicken ihre Kinder auf Schulen weit weg und auf den Dörfern fehlen Lehrer. Die Situation sei sehr kritisch. Wir reden eine Weile, dann gehen wir unserer Wege. 


Wir sind von dort aus in die Berge gefahren. Dort hat uns allerdings das Wetter mit gewaltigen Gewittern und Wolkenspielen eingeholt. Nach einer sehr kalten Dusche am Morgen im Wind haben wir uns also schnell wieder auf den Weg gemacht. Nun stehen wir in der Region nahe Moldawien, Ukraine. Hier haben wir einen Flusslauf bei gewaltigen Klosterbauten entdeckt. Heute hatten wir einen wunderschönen Sonnentag mit Klostererkundung, Training und Flussbettwanderung und es geht uns richtig gut. Wir haben es schön miteinander, die Sonne hat geschienen und die Tage werden wieder länger, was das Leben draußen sehr erleichtert und aufwertet. 


Zudem haben wir nun eine Bleibe für Juli/August in Freiburg, sodass wir von dort in aller Ruhe eine Wohnung für uns suchen können und uns um den Verkauf unseres geliebten, treuen und immer brav laufenden Traktors kümmern können. All die kleinen, großen Dinge, die in naher Zukunft auch auf uns zukommen. Aber noch genießen wir dieses wunderbare Land.

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